Die Tabakpflanze und ihre Verarbeitung zu Pfeifentabak

Die Tabakpflanze und ihre Verarbeitung zu Pfeifentabak

Das kann man doch in der Pfeife rauchen – normal wäre das ja ein Ausdruck für etwas Unnützes, Wertloses. Aber nicht so für den Pfeifenraucher. Er kann schließlich Tabak in seiner Pfeife rauchen – und was wäre diese schon ohne ihn?

TabakpflanzeDoch seit wann raucht der Mensch? Darüber ist nichts genaues bekannt. Der Fund einer Abbildung eines zigarren(?)-rauchenden Maya-Priesters belegt aber, dass schon vor über 2000 Jahren geraucht wurde. Damals hatte das Rauchen aber vermutlich hauptsächlich zeremonielle und religiöse Bedeutung, das Adligen und Priestern vorbehalten war. Aus dieser Zeit rührt wahrscheinlich auch der Begriff “Zigarre” her, schlicht das Wort der Mayas für Rauchen: “sik’ar”.
Columbus beschreibt in seinem Bordbuch das erste Mal den Genuß des Tabaks: Menschen, die “mit einer kleinen glimmenden Stange aus einem Kraut herumwandern, dessen Rauch sie einatmen, wie es ihr Brauch ist”. Als Entdecker mit unweigerlichem Kontakt zu Ureinwohnern werden Columbus’ Seeleute diese Krautröllchen probiert haben und so fand der Tabak den Weg nach Europa, wo er zunächst auch nur dem Adel und der Medizin vorbehalten war. Im 16. Jahrhundert entstanden die ersten Tabakplantagen im heutigen Virginia und Maryland und der Tabak wurde von Jean Nicot über Frankreich endgültig in Europa eingeführt.

nicotiana tabacumJean Nicot – von ihm erhielt die Tabakpflanze auch ihren wissenschaftlichen Namen: nicotiana tabacum. Neben diesem Tabak, aus dem Pfeifentabak oder Zigarren gefertigt werden, gibt es noch zwei weitere Arten: zum Einen wäre das der Ziertabak nicotiana sylvestris und zum Anderen noch den Bauerntabak nicotiana rustica.

Tabak zählt zu der Gattung der Nachtschattengewächse (lat. solanaceae), zu der auch noch zum Beispiel Kartoffeln, Auberginen oder Tomaten gehören. Er wächst innerhalb eines halben Jahres bis zu 2 Meter hoch und entwickelt fünflappige Blüten, deren Farbe von Rot bis Weiß gehen kann und nachts geöffnet sind. Die begehrten Tabakblätter entspringen abwechselnd auf der einen und anderen Seite des Stengels – man spricht von “wechselständig” – und werden in drei Grundblattarten eingeteilt:

  • Volado, den untersten Blätter mit dem mildesten Geschmack aufgrund der geringen Sonneneinstrahlung
  • Seco, den mittleren und ertragreichsten Blättern
  • Ligero, den wertvollsten, obersten Blättern mit dem wegen der direkten Sonneneinstrahlung stärkstem Geschmack.

Außerdem werden sie in verschiedene Niveaus unterteilt, von unten nach oben in

  • Grumpen,
  • Sandblätter,
  • Mittelgut,
  • Hauptgut und
  • Obergut.

Nach der Ernte, die durchaus maschinell erfolgen kann, müssen die Blätter vor der Verarbeitung zunächst getrocknet und fermentiert werden. Bei der Trocknung kann man wieder zwischenFermentation und Trocknung

  • sun-cured, in der Sonne getrocknet,
  • air-cured, in Schuppen an der Luft getrocknet,
  • flue-cured, Trocknung mit Heißluft und
  • fire-cured, Trocknen durch Räuchern über Feuern

unterscheiden. Die darauf folgende Fermentation ist der komplizierteste Prozeß in der Tabakherstellung und kann, wenn er fehlerhaft durchgeführt wird, eine ganze Ernte vernichten. Unter Fermentation oder Fermentierung (von lat. fermentum: Sauerteig) versteht man den Gärungsprozeß und Oxidation von Zuckern der Tabakblätter, bei dem Eiweiß und andere im Blatt enthaltene Inhaltstoffe abgebaut und umgewandelt werden, und dem Tabak sein spezielles Aroma verleihen. Auch erst durch die Verminderung des sehr hohen Nikotingehaltes wird der Tabak rauchbar.

Zur Fermentation werden Blätter bündelweise auf mitunter meterhohe Haufen aufgeschichtet, in denen durch die Restfeuchte, die sogar noch bis zu 30% betragen kann, eine warme bis heiße, dampfgesättigte Luft entsteht. Mikroorganismen unterstützen nun diesen natürlichen Gärungsprozeß, der zum Beispiel auch bei Tee durchgeführt wird. In bestimmten Abständen werden die Tabakstapel umgeschichtet, so dass auch die Randpartien fermentieren. Der natürliche Vorgang, die Ballenfermentation ist sehr zeitaufwendig, so dass man einen künstlichen Prozeß in einer Klimakammer, die Kammerfermentation durchführt, der mit einer Dauer von einigen Tagen wesentlich schneller abläuft.

Der entrippte und nun verarbeitbare Rohtabak kann nun zum Aromatisieren, dem Flavoring oder Soßen, in großen Kesseln in eine mit den gewünschten Aromastoffen versehene Flüssigkeit eingelegt werden. Dieser Vorgang muss natürlich nicht bei jedem Tabak geschehen – je nachdem ob man naturbelassenen oder aromatisierten Tabak möchte.
Aus manchmal zahlreichen verschiedenartigen Rohtabaken wird nun die Mischung nach den Rezepturen der Hersteller zusammengefügt und zur Vermengung der Aromen der verschiedenen Rohtabake in Tabakkuchen gepresst. Mit einigen Tonnen Gewicht werden hier Tabakblätter zu einem Block zusammengepresst. Diese Kuchen werden nun nochmals getrocknet und in die gewünschten Verpackungsarten zurechtgeschnitten und gelangen so in den Handel und in unsere Pfeifen.
Durch Lagerung kann eine Nachfermentation einsetzen, die den Tabak weiter reifen läßt. So kann ein Pfeifentabak zum Beispiel nach 2 oder 3 Jahren runder und harmonischer schmecken als aus einer frisch geöffnete Dose.