Bruyère? Bruyère! – oder: wie eine Knolle die Pfeifenherstellung revolutionierte

Maya-PriesterSchon lange bevor man in Europa überhaupt an Pfeiferauchen dachte, war es in anderen Teilen der Welt schon Gang und Gäbe. Schon vor über 2000 Jahren rauchten die Mayas in Südamerika Tabak oder auch Ureinwohner aus Nordamerika, wie Funde bewiesen. Dieser Brauch hatte aber wohl eher zeremonielle Hintergründe und wurde nur von Priestern und Adligen gepflegt. Mit der Entdeckung Amerikas im 15. Jahrhundert wurde dann der Tabak schließlich auch in Europa eingeführt, wo er aber zunächst auch nur dem Adel und der Medizin vorbehalten war.

Nach einigen „Startschwierigkeiten“ – unter Anderem der Erlass des englischen Königs Jakob I. gegen das Rauchen von Tabak wegen Gesundheitsgefährdung und Gestank um etwa 1604 – fing im 16. und 17. Jahrhundert langsam die kommerzielle Pfeifenproduktion an. Zunächst wurden vornehmlich Materialien wie Ton und Meerschaum verwendet, während später Porzellan und Bruyère für die Herstellung entdeckt wurden.

BaumheideDoch was ist das eigentlich – Bruyère? Im üblichen Sprachgebrauch ist dabei von dem Wurzelholz der Baumheide (Erica Arborea) die Rede. Das ist so nicht ganz richtig: das Holz kommt nicht direkt aus der Wurzel, sondern aus einer knollenartigen Verdickung zwischen Stamm und Wurzel des im Mittelmeerraum beheimateten Heidekrautgewächses. Wozu diese Knolle wächst ist nicht ganz klar, aber es wird vermutet, dass sie ein Vorratsspeicher der Pflanze für harte Lebensbedingungen ist. Aber ebendiese Umstände machen aus Bruyère das, was es ist. Durch das langsame Wachstum bei heißen Sommern und kalten Wintern wird das Holz sehr hart und beständig, bleibt dabei aber leicht und atmungsaktiv.

30 Jahre dauert es, bis die Knolle etwa so groß wie ein Fußball geworden ist. Sie kann nun im Winter, wenn das Holz nicht wächst, ausgegraben werden. Sie wird freigelegt, überschüssige Pflanzenteile entfernt, aber zur Schonung des Holzes bis zur weiteren Verarbeitung wieder eingegraben.

Im Sägewerk wird die Knolle in der Mitte durchsägt. So kann man vorab schon mal die Qualität des Holzes abschätzen. Jedoch nur in seltenen Fällen können die begehrten Ebauchons (Plateauhölzer) vom Coupeur geschnitten werden, in den anderen Fällen verbleiben pro Knolle wegen Insektenbefall oder eingeschlossenen Steinen etc. nur wenige Kanteln – der Rest, rund 2 Drittel, ist Abfall.
Durch so viel Ausschuss ist der Preis für gutes Bruyèreholz enorm hoch und die Hersteller hochwertiger Handmades zahlen für ein Ebauchon höchster Qualität soviel, wie schon eine gute, maschinelle Serienpfeife kosten würde. Ein solches Plateauholz zeichnet sich durch die perfekte Maserung aus – Begriffe wie Straight Grain (gerade Maserung), Flame Grain (ungleichmäßiger Verlauf der Maserung) und Bird’s Eyes (übersetzt: Vogelaugen; im Schnitt senkrecht zur Maserung zu sehendes Muster im Holz, ähnlich Ast“löchern“) sind hier zu nennen.

von der Knolle zur KantelNach dem Zurechtsägen werden die Kanteln in Kupferbottichen 12 bis 24 Stunden gekocht. Dadurch wird das Wachstum des Holzes gestoppt und durch das Kupfer die im Holz enthaltenen Mineralien gelöst. Bevor das Holz nun zu Herstellern gelangt wird es zwischen 1 bis 3 Monaten getrocknet. In den Pfeifenfabriken wird das Holz nochmals einige Monate in speziellen Öfen eingelagert, damit es bereit ist für die weitere Produktion.

Die Baumheide, aus der das begehrte Holz gewonnen wird, findet man nur im Mittelmeerraum – ein weiterer Grund für die hohen Preise. Korsika, Sardinien, Griechenland, Spanien und früher auch Algerien sind hier die Hauptanbaugebiete – obwohl das in diesem Zusammenhang ein falsches Wort ist, da jeglicher Versuch der Züchtung und Anbau auf Plantagen fehlgeschlagen ist.